Braucht man den Frauentag überhaupt noch?

Zwei Diskussionsrunden des Arbeitskreises feministische Mädchenarbeit mit jungen Frauen haben statt gefunden - einmal in einer Klasse der Berufsbildenden Schule in Bad Kreuznach und einmal an der IGS Stromberg zum Thema „Braucht man den Frauentag überhaupt noch?"

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Frauentagsaktion in der BBS

Gleichberechtigung - ein großes Wort, aber was heißt das konkret für junge Frauen 2011 in Bad Kreuznach? Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren haben da so ihre eigenen Vorstellungen.
Leider waren in der BBS (Berufbildende Schule Bad Kreuznach) nur sechs Schülerinnen im Unterricht erschienen, die dann aber immerhin stark interessiert ins Gespräch kamen.
Zunächst war der Einstieg ganz grundsätzlich, denn was der Frauentag
eigentlich ist und warum er gefeiert wird, das ist den Mädchen gar nicht
mehr klar.

Was ist der Frauentag und warum wird er gefeiert?

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Die Mädchen tauschen sich über Frauenrechte aus


Der internationale Frauentag wird am 8. März weltweit begangen und entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung.
Auch, was man unter Gleichberechtigung zu verstehen hat, musste erst einmal genauer überlegt werden.
Das Letztentscheidungsrecht des Ehemannes in allen Eheangelegenheiten wurde z.B. erst vor rund 50 Jahren ersatzlos gestrichen. Dass es also noch nicht lange her ist, dass das letztendlich geltende letzte Wort beim Mann lag, erstaunt die Mädchen doch sehr. Sie können sich heute nicht mehr vorstellen eine Rollenaufteilung hinzunehmen, bei der sie nicht viel zu sagen haben. Gesetzlich festgelegte väterliche Vorrechte in der Kindererziehung, wie es sie bis 1979 noch gab, würden sie nicht mehr akzeptieren, meinen sie.
Das Wahlrecht für Frauen besteht in Deutschland erst seit dem 19.01.1919. D.h. erst seit 90 Jahren dürfen Frauen wählen und dafür mussten Frauen lange kämpfen.
„Das ist doch alles lange her, warum braucht man denn den Frauentag heute überhaupt noch?" trauen sich zwei Mädchen klar Gegenposition einzunehmen.

Warum braucht man den Frauentag heute noch?

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Wodurch zeichnen sich die Frauenrechte aus?

Auch heute verdienen Frauen in einigen Berufen weniger als Männer, Frauen übernehmen in den Familien meistens die Hausarbeit und die Kindererziehung. Und Frauen machen seltener Karriere als Männer.
„Ich würde nie darauf verzichten mein eigenes Geld zu verdienen und will unabhängig bleiben", da sind sich alle einig. Auf jeden Fall wollen sie eine Ausbildung zu Ende bringen und sich dann später vielleicht auch noch  weiter qualifizieren.
Große Ziele und selbstbewusstes Auftreten der Mädchen lässt hoffen, dass sie sich für ihre Ziele einsetzen werden.
Die Pädagoginnen aus dem Arbeitskreis feministische Mädchenarbeit Tina Steitz vom CJD, Susanne Mülhausen von der Fachstelle für Kinder und Jugendpastoral und Katharina Becker, Sachgebietsleiterin Jugendförderung des Amtes für Kinder und Jugend sowie die Klassenlehrerin der Berufsbildenden Schule für Soziales Frau Korsmeier sind sich einig, dass die jungen Frauen immer selbstverständlicher mit den erstrittenen Rechten der Frauenbewegung leben, so dass sie kaum erkennen können wozu der Tag heute noch wichtig ist.
Im Zuge der gelungenen Veranstaltung und der offenen Auseinandersetzung ist ihnen das nach und nach erst etwas deutlicher geworden.

Schülerinnen der Gesamtschule Stromberg haben sich auch mit dem Thema beschäftigt

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Reger Austausch auch in der IGS Stromberg

Die zweite Aktion fand in Stromberg statt: Schülerinnen von zwei 9. Klassen der Gesamtschule Stromberg diskutierten am Dienstag, den 22. Februar, in ihrer Schule mit Frauen des „Arbeitskreises feministische Mädchenarbeit"
und berichteten davon, was sie einmal anders machen wollen.
„Es macht mich viel selbstbewusster, wenn ich einen eigenen Beruf habe." „Frauen sollen auch Freude an einer Tätigkeit haben." „Frauen brauchen einen eigenen Beruf." Und immer wieder taucht das Argument auf: „Wir wollen finanziell unabhängig sein, unser eigenes Geld verdienen."

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"Frauen brauchen einen eigenen Beruf"
Resumée zur Veranstaltung

Spannend waren die Gespräche über die Lebens- und Familienentwürfe, denn viele Schülerinnen wollen Kinder und sind meist ganz selbstverständlich dazu bereit, die Hausarbeit zu übernehmen und den Beruf zurück zu stellen. Aber ein zukünftiger Partner soll mithelfen, Arbeiten im Haushalt zu übernehmen.
Noch immer müssen viele große und kleine Schritte getan werden, damit die junge Generation von Frauen ihr Leben selbstbewusst und selbstbestimmt in die Hand nehmen kann und nicht nur Arbeit an den Partner verteilt, sondern dass beide verantwortlich handeln. Hierzu zählt weiterhin die Förderung der Mädchen, um sie zu befähigen, gute, hochwertige und ihnen entsprechende Berufe zu ergreifen.

Weitere Informationen bei Katharina Becker.