Selbstverletzendes Verhalten

Ins eigene Fleisch geschnitten - Fortbildung mit dem Notruf Mainz

Es wurde zum zweiten Mal eng im Fortbildungsraum des Jugend- und Kooperationszentrums „Die Mühle" in Bad Kreuznach, als die Fortbildung „Ins eigene Fleisch geschnitten - Selbstverletzendes Verhalten nach traumatischen Erlebnissen" am 24.2.2009 begann. Nachdem sich bereits 2008 über zwanzig Frauen und Männer aus dem Jugendbereich, Schule und Heimen an der Fortbildung beteiligt hatten, gab es auch dieses Jahr wieder viele Interessierte, die mehr über diesen Problembereich erfahren wollten.

„Wir wussten wie brisant dieses Thema zur Zeit ist, aber dass so viele Interessierte sich melden, hat uns doch erstaunt," sagt Vanessa Berg, Verantwortliche für die Mädchenarbeit bei der Stadtjugendförderung Bad Kreuznach.

Selbstverletzendes Verhalten greift in den westlichen Industrieländern mehr und mehr um sich. Betroffen sind vor allem jugendliche Mädchen und junge Frauen. Sie versuchen durch Schnitte in die Arme, auch "Ritzen" genannt, nicht mehr auszuhaltenden Stress, plötzlich auftauchende belastende Erinnerungen oder innere Leere abzubauen.

„Die Schnittverletzungen und Brandwunden lösen bei Bezugspersonen widersprüchliche Gefühle zwischen Entsetzen und Mitleid aus und stellen nicht selten eine große Belastung im persönlichen Umgang dar," weiß Referentin Anette Diehl vom Notruf Mainz. „Soll ich ansprechen, was ich sehe?" „Will sie mir etwas damit sagen?" sind typische Fragen, die dann auftreten und Hilflosigkeit bewirken.

Als Mitarbeiterin einer Fachstelle zum Thema Sexualisierte Gewalt zeige sich ihr immer wieder, dass die Gründe für Selbstverletzendes Verhalten oft in traumatischen Erlebnissen liegen. Auch deshalb tauche das Phänomen immer wieder in der Beratungsarbeit des Notrufs auf.

Als Stadtjugendförderung mit vielen Angeboten für Jugendliche in und um Bad Kreuznach sehen die Hauptamtlichen der Einrichtung „Die Mühle" eine besondere Verantwortung für das Thema. „Immer wieder wird deutlich, wie wichtig es für unsere Ehrenamtlichen und Honorarkräfte ist, offen über Tabuthemen sprechen zu können. Der Umgang mit Selbstverletzendem Verhalten kann hier geklärt werden," so Stefan Oberst von der Stadtjugendförderung.

Der Fortbildungsnachmittag bot somit neben Informationen zum Thema auch die Möglichkeit der eigenen Auseinandersetzung mit Selbstverletzendem Verhalten und Raum für Austausch mit anderen Berufsgruppen. Neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtjugendförderung, waren auch Erzieherinnen, Lehrkräfte und Studierende erschienen. In der Abschlussrunde betonten alle, wie wichtig es war, ausführliche Hintergrundinformationen erhalten zu haben und nun das Thema besser im Arbeitsalltag einordnen zu können.

Finanziell ermöglicht wird der Nachmittag durch die Mitgliedschaft des Notrufs bei der LAG anderes lernen. Es war die vierte Fortbildung, die das Jugend- und Kooperationszentrum „Die Mühle" in Kooperation mit dem Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen und Mädchen in Mainz anbot.